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Wenn Hunde im Draußen pöbeln

 

Vielleicht pöbelt dein Hund im Draußen andere Hunde an. Vielleicht hast du große Probleme mit seiner Leinenführigkeit. Vielleicht hat dein Hund sogar schon einen Menschen gebissen, da er sich nicht mehr anders zu helfen wusste. Vielleicht bist du völlig verzweifelt, weil du einfach nicht sicher bist, wie du deinem Hund helfen kannst. Daher möchte ich dir im heutigen Beitrag erklären, warum dein Hund so reagiert und was genau in ihm vor sich geht.

Am wichtigsten ist es, ganz am Anfang zu beginnen. Wir müssen lernen, Probleme und Thematiken aus Sicht des Hundes zu betrachten, und nicht aus menschlicher Sicht. Schaffen wir das, wird uns sofort bewusst, dass der Hund in erster Linie nicht das Gefühl hat, etwas falsch zu machen. Er handelt für sich absolut natürlich, wie er es in freier Natur auch tun würde. Warum ist das so?

 

Respektverhalten bei Hunden

Hunde kommen in einem Rudel auf die Welt und sind dann die ersten paar Wochen bei ihrer Mutter in der Wurfkiste. In der Wurfkiste werden sie von ihrer Mutter erzogen, sprich sie erwerben ein natürliches Respektverhalten und lernen, was sie dürfen und was sie nicht dürfen. Kommt ein Hund nun aber in ein menschliches Umfeld, testet er hier ebenfalls zunächst einmal aus, was er darf und was er nicht darf. Ein Beispiel: Wir alle haben verschiedene Zonen rund um unseren Körper (Intimzone, Privatzone, …). Ein Hund testet diese Zonen aus, indem er uns sehr nahe kommt und so in unsere körpernächste Zone, die Intimzone, eindringt. Vielleicht erst ein wenig zögerlich, aber dann immer schneller und frecher. Wir Menschen stufen dieses Verhalten oft als „süß“ ein und streicheln den Hund dann – ein großer Fehler.

Körperzonen

Das Problem ist jedoch, dass wir dem Hund so – natürlich unbewusst und auch ungewollt – vermitteln, dass es in Ordnung, ja sogar gut ist, dass er uns so bedrängt. Der Hund versteht das in seiner Hundesprache so, als würden wir uns ihm unterwerfen und nimmt dann automatisch an, dass er der ranghöhere Hund im Rudel ist. Beweisen wir unserem Hund das Zuhause öfters, teilweise sogar mehrmals am Tag, geben wir ihm unbewusst immer und immer wieder den Auftrag, dass er ranghöher und somit für uns verantwortlich sei. Und ist unser Hund im Drinnen schon für uns verantwortlich, wird er das im Draußen natürlich noch stärker zeigen.

Hierbei ist wichtig zu verstehen: Hunde machen das NICHT, weil sie es toll finden, Verantwortung zu haben. Es geht ihnen einzig und allein um den Fortbestand ihres Rudels. Sie testen also immer und immer wieder aus, wer verantwortlich ist – und reagieren dann eben entsprechend. Dieses Verhalten ist übrigens nicht nur bei Hunden, sondern auch bei Pferden so.

Sind Hunde vollständig domestiziert?

Die Wissenschaft behauptet schon seit geraumer Zeit, dass Hunde schon so lange domestiziert sind, dass sie sich schon vollständig an den Menschen angepasst hätten und kaum noch natürliches Verhalten und damit einhergehend die natürlich Rangordnung zeigen und erkennen. Meiner Meinung nach ist diese Ansicht aber absolut falsch.

Bei uns Menschen spricht man vom Reptiliengehirn. Da der Mensch schon weitaus länger domestiziert ist als der Hund, ist es faktisch überhaupt nicht möglich, dass bei Hunden das Reptiliengehirn in einer viel kürzeren Zeitspanne bereits vollständig zurück entwickelt wurde. In diesem Reptiliengehirn lagern unsere Naturinstinkte – genauso ist es bei Hunden auch.

Ich habe zuhause bei mir in Frankreich zwei Hunderudel und kann an ihnen täglich mehrfach beobachten, wie sie immer mal wieder genau prüfen, wer im Notfall für die Sicherheit und den Schutz der Gruppe verantwortlich ist.

Hundesprache als Grundlage

Das Problem liegt hier schlicht und einfach beim Menschen: Wir sprechen die Hundesprache nicht und interpretieren ihr Verhalten aus menschlicher Sicht, also falsch. Wir geben dem Hund immer und immer wieder unbewusst den Auftrag, er sei für uns zuständig. Diese Rolle nimmt der Hund sehr ernst und er kann sein Verhalten im Draußen nicht einfach ablegen – es wird eher noch verstärkt. Wir Menschen müssen also lernen, unsere Hunde zu verstehen, um ihnen zu helfen. Wir müssen die Hundesprache verstehen.